Christiane Baumgartner

Der Teresa Bulgarini Preis für zeitgenössische Kunst 2009 wird an die 1967 in Leipzig geborene Künstlerin Christiane Baumgartner vergeben, die in ihren großformatigen, gegenständlichen Holzschnitten Begriffe wie Zeit, Bewegung, Geschwindigkeit und Beschleunigung thematisiert.

Als Grundlage für ihre Werke dienen der Künstlerin Filmstills oder Einzelfotos von bewegten oder sich bewegenden Objekten und Landschaften, die zunächst digital bearbeitet und danach meist in Schwarz, seit kurzem auch in Rot oder Blau im Holzschnitt umgesetzt werden. Die von Christiane Baumgartner entwickelte Technik, das Motiv in unterschiedlich starke horizontale Streifen zu zerlegen, lässt ihre Werke zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit oszillieren: mit zunehmender Entfernung zum Bild ordnet sich die zunächst abstrakte Streifenstruktur zu einem gegenständlich Motiv von beinahe fotografischer Exaktheit. Neben singulären Einzelwerken gestaltet die Künstlerin so auch Serien nur minimal variierter Einzelbilder, die eine raumzeitliche Bewegung evozieren. Das traditionelle Medium des Holzschnitts erfährt auf diese Weise eine ebenso überraschende wie überzeugende Aktualisierung.

Der Dramaturg und Autor Thomas Oberender, Mitglied der Jury des Teresa Bulgarini Preises für zeitgenössische Kunst 2009, erklärt seine Faszination für das Werk der Künstlerin:

»Christiane Baumgartners Holzschnitte faszinierten mich zunächst durch ihre Monumentalität. Ihre Gegenstände sind Kraftmaschinen – das erste Bild, das ich sah, war ihr riesiger Holzschnitt »Transall« von 2002. Später sah ich die Windräder, Helikopter und Bombergeschwader. Und noch etwas später, inzwischen reiste ich ihren Bildern in die verschiedensten Museen und Galerien nach, sah ich ihre Serie »Deutscher Wald«, die großen Stillstellungen der globalisierten und ortlosen Verkehrswege und von eben diesen Transitstellen im Vorüberfahren erblickten Landschaften. Und so sehr mich die Kraft dieser Bilder anspricht, ihr serieller Charakter, ihre Trockenheit, so ist es im Kern doch etwas Romantisches, das aus ihnen spricht – fast immer winkt aus ihnen der Tod. Ihre Sujets sind universell und anspielungsreich und ironisch in jenem Sinne der Romantiker, dass sie sich ihrer eigenen Künstlichkeit bewusst sind und sie dem Betrachter auch offenbaren.

Und das Handgemachte, das analoge Zittern der Hand macht diese Bilder des still gestellten Lebens zugleich so lebendig. Aus jeder ihrer geschnitzten Linien spricht die Zeit als physischer Abdruck von Lebenszeit, als Investition von Dasein. Und dieser merkwürdige Kontrast – das todesnahe Funktionieren der Systeme, die Ruhe der Macht, die aus ihren Motiven spricht, einerseits, und das demütige Schnitzen am Bild andererseits, zieht mich jedes Mal über die Schwelle, wenn ich ihre Holzschnitte betrachte. Man kann sie, aus der Nähe, als abstrakte Struktur und Chronogramm des Daseins lesen, und zugleich, mit einem Schritt zurück, als das Image der Zeit schlechthin entdecken. Dieser Wechsel belebt die Bilder von Christiane Baumgartner. Und mich als ihren Betrachter.«

Das Werk von Christiane Baumgartner wurde mit Einzelausstellungen in Galerien und Institutionen wie dem Leipziger Museum der Bildenden Künste und Ausstellungsbeteiligungen in renommierten Häusern wie dem Berliner Kupferstichkabinett, dem Städel in Frankfurt, der Albertina in Wien oder dem MoMA in New York gewürdigt. Auch andere namhafte Sammlungen wie die Kunsthalle Zürich, das Amsterdamer Stedelijk Museum oder das Bostoner Museums of Fine Arts besitzen Werke der Künstlerin.